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Klima und Wetterbesonderheiten im Bodenseeraum
Der Bodenseeraum liegt in der Übergangszone zwischen den maritimen Gefilden des Atlantiks und der trockenen Kälte Sibiriens. Auch dank seiner gemäßigten Lage in ca. 400m Höhe ü.N.N. ist als Ferienziel sehr beliebt. Der Bodensee liegt in einem Talbecken, das im Norden von der hügeligen Moränenlandschaft Oberschwabens und des Hegaus und im Süden von den Alpen umrahmt wird. Trotz allgemein vorherrschender Westwinde und relativ gleichmäßigem Klima ist das kurzfristige Wettergeschehen von Ort zu Ort sehr verschieden. Es kann z.B. passieren, dass der Markdorfer Kirchturm einen wolkenlosen Tag erlebt, während der Marktplatz daneben im Nebel versinkt.
1. der Föhn Das Netz der Wetterstationen ist im Bodenseeraum mit (seit 1981) 57 Stationen sehr dicht (u.a. in Meersburg), so dass sehr exakte Klimaaufzeichnungen für die Region bestehen. Diese Stationen gehören größtenteils Meteomedia (und damit dem Wetterfrosch Jörg Kachelmann) sowie den nationalen Wetterbehörden von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Am Bodensee wird speziell auf die Messung des Niederschlags und der Föhnintensität Wert gelegt. Eine weitere Besonderheit ist der Sturmwarndienst, der in drei Bereichen des Sees Warnungen ausspricht. Sonnenschein:
Es gibt die theoretische und die tatsächliche Sonnenscheindauer; die theoretische entspricht dem gesamten Lauf der Sonne und wird von Erhebungen natürlich erheblich verkürzt, da die Sonne an einer Station mit benachbarten Bergen viel früher untergeht. Die praktische Sonnenscheindauer ist die tatsächliche Dauer des Sonnenscheins, an einem bedeckten Tag z.B. beträgt sie 0 Stunden. Temperatur:
Nun zum wohl entscheidentsten Klimaelement. Die Temperatur wird jeweils um 7, 14 und 21 Uhr gemessen, wobei der letzte Wert doppelt zählt. Die Summe wird durch 4 geteilt und schon hat man die Durchschnittstemperatur dieses Tages. In Markdorf beträgt die Jahresdurchschnittstemperatur (die 365 Durchschnittstemperaturen durch 365 geteilt) etwa 8,5 °C (e.A.). Die mittlere Julitemperatur beträgt ca. 19 °C - 20 °C (e.A.); die mittleren Januarwerte liegen zwischen -1 °C und -2 °C (e.A.), was eine Spannweite von etwa 21 °C bedeutet (normal für ein Übergangsklima). Dabei ist jedoch besonders auffällig, dass die Februartemperaturen seit 1995 rapide ansteigen (Rekordwert: über 4 °C; e.A.); der Durchschnitt (seit 1995) liegt jetzt schon bei knapp über 2 °C (e.A.)! Die Extremwerte am Bodensee direkt liegen bei + 38 °C und -25 °C. Diese -25 °C können jedoch nur in Talkesseln, in denen sich die Kaltluft sammelt, erreicht werden. Exponierte Lagen kontrastieren hier mit heiß-trockenen Stadtlagen, da sie extremere Temperaturschwankungen aufweisen. Stadtlagen können jedoch durch Begrünung wieder ein normales Klima erreichen. Im Juni gab es in Extremjahren noch Frost und zu Weihnachten mit Föhn fast 20 °C! Normalerweise gibt es pro Jahr 25 Eis- und 110 Frosttage am Bodensee, andererseits auch ca. 25 Sommertage. Nach meinen eigenen Beobachtungen sind alle 3 Werte jedoch höher anzusetzen, was den Trend zu extremeren Temperaturen bestätigt.
Nach fünfjähriger Messung (e.A.) lassen sich für Markdorf folgende, schon recht genaue Daten ablesen: durchschnittlich gibt es am 10. April (e.A.) den letzten Frost. Da der See auch ein Kältespeicher ist, ist der Vergleichswert von Meersburg schlechter (11. April: durchschnittlicher Anfang der frostfreien Periode; allerdings Durchschnittsdaten von 1881-1940). Ravensburg liegt besonders ungünstig (2. Mai!). Aber weitaus überraschender ist der extrem späte Termin des ersten herbstlichen Frühfrostes: der 9. November (e.A.)! Die Vergleichswerte sind: für Meersburg der 4. November (z.T. aufgrund kalter, nördlicher Fallwinde trotz des vergleichsweise warmen Sees) und für Ravensburg bereits der 14. Oktober! Allgemein gilt als Faustregel: Zwischen dem 25.April und dem 20.Oktober (ein halbes Jahr) ist in Normaljahren kein Frost zu erwarten (e. A.). Bei alledem (siehe vor allem Meersburg) lässt sich erkennen, dass die Fähigkeit des Bodensees, Wärme (aber auch Kälte) zu speichern und langsam an die Umgebung abzugeben sehr bedeutend für das hiesige Klima ist. Denn sie lässt somit Herbst (wie auch Frühjahr) später kommen und minimiert so in beiden Jahreszeiten Frostschäden. Die Funktion des Wärmespeicherns, vor allem der Sonnenenergie, ist jedoch wichtiger als das Kältespeichern (nur während einem Drittel des Jahres ist die Luft wärmer als das Wasser!). Mit der Energie aus einem Sommer könnte das größte Kraftwerk in Baden-Württemberg 12 Jahre lang betrieben werden. Für die Umgebung des Sees bedeutet dies eine Erhöhung des Temperaturmittels um etwa 1°C! Da die Wassertemperatur auch nicht so stark schwankt wie die Lufttemperatur, ist der Unterschied zwischen Juli- und Januartemperaturen, aber auch Tiefst- und Höchstwerten, am Ufer geringer als im Hinterland. Die Temperaturdifferenz, auf einen Tag bezogen, kann an sonnigen Tagen am Ufer über 8 °C kleiner als 1 km im Hinterland sein. Trotzdem ist dieser Einfluss angesichts nur weniger wirklich schöner Tage gering. Bewölkung
Durchschnittlich ist der Himmel über dem Bodenseeraum zu 63% mit Wolken bedeckt. Besonders bewölkt ist die östliche Region. Höhere Lagen sind jedoch weniger vom Nebel bzw. Wolken betroffen. Im Durchschnitt wurden 42 heitere und 160 trübe Tage im Jahr gemessen (Werte: Fr´hafen), was dem Standard Mitteleuropas entspricht. Bei Föhnlagen geht die Bewölkung gewöhnlich um ca. 6% zurück. Am Bodenseeufer gibt es ca. 55 Nebeltage im Jahr; in höheren Lagen meist 10 Tage pro Jahr weniger. Nach eigenen Erfahrungen macht dies jedoch mehr als 2 Wochen pro Jahr aus (vor allem im November). Am Gehrenberg sind in den Sommermonaten und im Januar jedoch überdurchschnittlich viele heitere Tage zu verzeichnen. Niederschlag
Ihm fällt eine Hauptrolle beim Wettergeschehen und auch den ökologischen Auswirkungen zu, schließlich wächst nichts ohne Wasser! Luftdruck und Wind
Hochdrucklagen führen im Sommer oft zu sonnigem Wetter während sie im Winter meist für Nebel sorgen. Tiefdruckgebiete folgen weniger bestimmten Mustern und führen zumeist zu regnerischem Wetter. Aber auch Föhn führt zu tiefem Luftdruck. Jedoch sind über das gesamte Jahr hinweg kaum Änderungen zu verzeichnen. Allgemein herrscht im Spätsommer eher Hochdruck währen es im Frühwinter mehr Tiefdruck gibt. Die Grundwindrichtung ist zwar Westen jedoch beherrschen im Bodenseeraum die Land- und Seewinde die Lage (siehe nächstes Kapitel). Eine große Besonderheit der Region sind die Inversionslagen. Erklärung: Wenn Hochdruck herrscht, führt dies in den Wintermonaten oft zur Nebelbildung in den tieferen Lagen und Becken. Land- und Seewind
Land- und Seewinde sind die stärksten lokalen Wettererscheinungen, welche mit dem Bodensee direkt verknüpft sind. Diese lokalen Luftströmungen werden verursacht durch die unterschiedliche Erwärmung von Land und Wasser. Die wohl eindrücklichste Wettererscheinung ist der Föhn. Er verursacht klare Sicht, walzen- und linsenförmige Wolkenformen und Föhnfenster. Bei Winden aus südlichen Richtungen staut sich die Luft an der Alpensüdseite, die in diesem Fall die Luvseite ist. Die Luftmassen werden zum Aufsteigen gezwungen, wobei sie sich abkühlen und schließlich kondensieren (Erklärung: der Wasserdampf wird vom gasförmigen in den flüssigen Zustand überführt). Es kommt zur Bildung von Wolken und schließlich zu Niederschlag. Auf der anderen Seite der Alpen, in diesem Fall die Alpennordseite steigen die trockenen Luftmassen rasch ab, erwärmen sich und führen zu rascher Wolkenauflösung. Diese Erwärmung ist jedoch ungefähr doppelt so hoch wie die Abkühlung auf der Alpensüdseite, so dass durch den Föhn im Bodenseeraum hohe Temperaturen zustande kommen können. Diese kräftige Ausgleichsströmung bewirkt, dass ein starker böiger Wind durch das Rheintal ins östliche Bodenseebecken vordringt, wo er sich ausfächert und rasch an Kraft verliert, so dass er das nördliche Bodenseeufer nur selten erreicht: Durchschnittlich gibt es jährlich 4 Föhnstunden in Friedrichshafen im Gegensatz zu 70 Stunden (!) an der Rheinmündung. Er tritt im Winter dreimal so häufig wie im Sommer auf. Durch seine Unregelmäßigkeit sind genaue Vorhersagen sinnlos. Neben der Tatsache das er Migräne verursachen kann hat er auch positive Auswirkungen. Er erhöht die allgemeine Sonnenscheindauer und verringert die Niederschlagsmenge.
Internetadressen: Die folgenden Diagramme zeigen Niederschlag (nur 2001) und Temperatur in Ittendorf bei Markdorf in den Jahren 1999-2001, gemessen mit der privaten Wetterstation von Michael Kespe.
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