Protokoll I
1. Exkursion in den Hegau (22.05.2001)
Das Projekt, das den Namen "Feuer und Eis" trägt, wird finanziert von der
Robert-Bosch-Stiftung und hat sich als Ziel die Verbesserung der Kooperation
von Universität und Schule gesetzt.
Geologische Untersuchung am Hohentwiel
Treffpunkt: Parkplatz am Hohentwiel (14 h)
Halt 1, 640 m NN, 8°49'07''E / 47°45'56''N (14:20 h): Nordexponierte Plattform unterhalb des Gipfels:


Zunächst erstiegen wir den Hohentwiel, dessen Gipfel 844 m über dem Meeresspiegel liegt, um einen Rundblick über den Hegau (Link) zu bekommen. Auf einer Plattform unterhalb des Gipfels folgte eine Geländeansprache unseres Experten, Dr. Neumann, nach morphologischen Kriterien. Die Anfertigung grober Geländeskizzen half uns, die einzelnen Formen besser auseinander zu halten. Anschließend gab H. Neumann eine kurze Einführung in die Interpretation geologischer und topographischer Karten.


In der Mineralogie wird sich beispielsweise die Frage gestellt, welche Minerale in Metamorphiten in welcher Reihenfolge vorkommen. Zunächst wird die Entstehung des Gesteins rekonstruiert, wodurch man weiß, unter welchem Druck und unter welcher Temperatur die Gesteine entstanden sind. Durch das Wissen über die Beschaffenheit der Gesteine lässt sich sowohl auf die Kruste in Mitteleuropa als auch die Plattenbewegung der gesamten Kontinente rückschließen.
Bei unseren Untersuchungen anhand der geologischen Karten ergab sich eine große Ähnlichkeit zwischen Kaiserstuhl und Hegau. Beide bestehen aus jüngeren Gesteinen.
Der Hegau setzt sich z.T. aus flächenhaft verbreiteten vulkanischen Gesteinen zusammen. Das Vorkommen vulkanischen Gesteins ist allerdings nicht auf eine sogenannte Störung zurückzuführen.
Nähere Betrachtung des Gesteins des Hohentwiels:
Graues bis rötlich-braunes Erscheinungsbild mit hellen, glänzenden, rechteckigen, bis zu einem Zentimeter großen Bestandteilen , die sich als Minerale herausstellten. In der rötlichen Grundmasse verlaufen weiße Gesteinsadern. Auffällig war die Härte und die kleine, schwarze Sprenkelung.

Das graue Gestein enthält zweiwertiges Eisen, während das rötliche durch die Verwitterung entstandenes dreiwertiges Eisen enthält. Dieser Verwitterungsprozess vollzieht sich außen schneller als im Inneren des Gesteins.
Kurz vor dem Torbogen fanden wir ein loses Stück Phonolith (Probennummer H1)

Anschließend stießen wir noch auf ein Beispiel für sogenannte Kluftfüllung: Durch das Aufreißen des Gesteins kann heißes Wasser zirkulieren und das Mineral Natrolith (gelblich) absetzen. Dieses Material wurde für die Wandverkleidung im Neuen Schloss in Stuttgart verwendet.
Gegen Ende des Rundgangs stießen wir noch auf weißliche Krusten von Opal. Dieses Gestein weist einen hohen Urangehalt auf, der durch Verwitterung zustande kommt. Das beim Verwitterungsprozess aufgelöste Uran setzt sich im Opal wieder ab.

Zuerst suchten wir kleine, runde Steinchen. Diese wurden als "Lapilli" identifiziert, welche Bestandteile von Vulkantuff sind.
Lapilli sind vulkanische Lockerprodukte, die entweder beim Aufsteigen durch Drehen im Gasstrom entstanden sind (wie hier) oder nach dem Auswurf, als sie den Berg herunterrollten.
Danach wurden die Unterschiede zum Gestein am Hohentwiel untersucht (Farbe, Härte, Mineralbestand).
Am Duchtlinger Pass stießen wir auf Xenolithe wie Schiefer, Granit und Gneis. Da Gneis (Link) den Schwarzwald und im Hegau den Untergrund aufbaut, nimmt man an, dass diese Gesteine mit dem Magma aus mehreren Kilometern kamen.
Xenolithe sind Fremdgesteinseinschlüsse in magmatischen Gesteinen.
Deckentuffe: Das hellgelbe Vulkangestein, dass wir hier fanden, ist porös, verwittert schnell und es sind in ihm kaum noch sichtbare Minerale vorhanden.
An der Fundstelle war außerdem noch graues Gestein, der sogenannte dolomitische Mergel (Link) vorhanden, der nur außerhalb von Tuffen zu finden ist.
Die Grundmasse, die die Lapilli umgibt, ist nach dem Ausbruch herunter geregnete Asche.
Dann betrachteten wir durch ein Geländemikroskop, welches polarisiertes Licht benutzt, den Dünnschliff (Link) eines Phonoliths, der eine vollkommen andere Zusammensetzung und ein anderes Gefüge (Struktur) hat als Tuff.
Ende der Exkursion um 17 h im Hegau, Ankunft in Markdorf um 18 h.
Protokollantinnen:
Elena Schwan, Lisa Wenderoth
NatWorking-Links:
http://www.bosch-stiftung.de/
http://www.uni-tuebingen.de/uni/emi/alt/lager/UNeumann.htm
http://www.uni-tuebingen.de/geo/gpi/ag-freiwald/index.html ("Aktuelles")